猫窝:岛主抄书

鼠群——一个社会市场经济的现代寓言

Das Volk der Mäuse — eine moderne Fable zur sozialen Marktwirtschaft

Früher hatten die schwarzen, grauen and weißen Mäuse einen König. Doch der König hatte ganz schlecht regiert. Sie wollten ihn nicht mehr und jagten ihn aus dem Land. Dann kam ein großer Krieg. Die schwarzen, grauen und weißen Mäuse konnten sich nicht mehr leiden. Sie kämpften so lange gegeneinander, bis sie keine Kraft mehr hatten. Dann teilten sie das Land in drei Teile und jedes Volk hatte seine eigene Wirtschaftsordnung.
    Die weißen Mäuse waren sehr idealistisch. Weil niemand etwas privat besitzen sollte, gründeten sie ein Planungskomitee. Die Minister planten, welche und wie viel Nahrung man für den Winter sammeln musste. Sie organisierten auch den Bau der Höhlen und Gänge, in denen die Mäusefamilien ihre Wohnungen beziehen sollten. Schließlich teilten sie auch den Familien ihre Höhlen zu.
    Die schwarzen Mäuse dagegen wollten frei von jeder Planung sein. Jede Mäusefamilie gründete ihr eigenes Unternehmen. Sie bildeten Lebensmittel-Firmen und Bau-Firmen. Sie hatten sogar Erfinder, die aus den Früchten und Kräutern leckere Puddings und Gelees bereiteten und diese den anderen Mäusen verkauften. Die Bau-Firmen bauten exklusive beheizbare Höhlen mit bequemen Schlafplätzen für den Winter und gemütliche Speisekammern.
    Die weißen Mäuse waren bald sehr unglücklich. Sie beobachteten die schwarzen Mäuse, die immer reicher wurden. Sie wollten auch köstliche Gerichte in Speisekammern haben und wünschten sich angenehmere Schlafplätze in ihren Höhlen. Einige weiße Mäuse verwuchten zu den schwarzen Mäusen zu fliehen. Aber die weißen Mäuse-Minister errichteten sofort eine Grenze. Niemand durfte zu den schwarzen Mäusen. Wer es versuchte, den brachten sie in ein dunkles, feuchtes Mäuse-Gefängnis. Während die weißen Mäuse auf dem Ackerland arbeiteten, blieben die Minister in den Höhlen und beobachteten, wie sie arbeiteten. Die weißen Mäuse hatten dann keine Lust mehr füreinander zu arbeiten. Die Höhlen, die sie gebaut hatten, und die Nahrung, die sie gesammelt hatten, waren ja nicht ihr Privatbesitz. Also waren ihnen die Höhlen und Speisen egal. Sie bauten schlechte Höhlen. Oft zerstörte Wind und Wetter den Bau und zerquetschte die armen Mäuse in ihren Höhlen. Zum Essen hatten sie nur noch Getreide. Keiner hatte Lust für alle anderen süße Früchte zu sammeln. Wer sich diese Mühe gemacht hatte, der hatte ja nur eine Frucht bekommen. Die anderen Früchte hatte er den anderen abgeben müssen. Solange sie kein Recht hatten, die Früchte für sich zu behalten, hatten sie keine Lust mehr, für andere Mäuse zu arbeiten.
    Die schwarzen Mäuse aber waren auch nicht alle glücklich. Bald hatten die stärksten Mäusefamilien große Unternehmen. Sie waren reich. Die schwachen Mäuse mussten bei ihnen für wenig Lohn arbeiten. Nach einigen Jahren hatten drei Unternehmer-Mäuse alle Wiesen und Felder in ihrem Besitz. Sämtliche Mäusehöhlen gehörten fünf anderen Unternehmer-Mäuse. Die Unternehmer-Mäuse hatten sich riesige Schloss-Höhlen bauen lassen.
    Die armen Arbeiter-Mäuse aber wohnten in winzigen Höhlen und mussten schrecklich viel Miete dafür bezahlen. Sie hatten nur einfaches Getreide in ihren Speisekammern, dass nicht besser war als die Nahrung der weißen Mäuse. Arbeitslose Mäuse, kranke Mäuse, alte Mäuse, allein erziehende Mäuse oder Mäusefamilien mit vielen Kindern konnten kaum überleben. Viele hatten gar kein Dach mehr über dem Kopf. So wurden sie Spielzeug für Katzen und Vögel.
    Was aber passierte bei den grauen Mäusen. Auch bei ihnen bildeten sich reiche Mäuse-Unternehmer. Natürlich gibt es auch hier bald Arbeiter-Mäuse, alte Mäuse, arbeitslose Mäuse, kranke Mäuse, allein erziehende Mäuse und Mäusefamilien mit vielen Kindern. Aber diese Mäuse waren nicht so arm wie die schwarzen Mäuse.
    Die Arbeiter schützten sich durch Gewerkschaften. Sie kämpften für gute Tarifabschlüsse. So hatten die Arbeiter immer genug Lohn für ihre Arbeit. Sie konnten sich eine hübsche kleine Höhle leisten und hatten auch vile und gut zu essen.
    Sie hatten außerdem ein Sozialkomitee. Dieses Komitee forderte von den Unternehmer-Mäuse und den Arbeiter-Mäusen Steuern ein und gründete Versicherungen. So hatten die alten Mäuse ihre Rente, die arbeitslosen Mäuse Arbeitslosenhilfe, die kranken Mäuse eine Krankenversicherung, allein erziehende Mäuse und Mäusefamilien mit vielen Kindern staatliche Hilfe und eine Sozialwohnung. Ganz arme Mäuse konnten von der Sozialhilfe leben. Zwar schimpften die Unternehmer- und Arbeiter-Mäuse über diese Abgaben für die Armen, Kranken und Alten, aber in diesem Land waren die Mäuse wohlhabend.

王志强、戴启秀编著:《中级德语(第二版),同济大学出版社,2006,60-62页。

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